Wenn man nach den Grundbedürfnissen eines Neugeborenen gefragt wird, dann fallen vielen spontan Hunger, Durst oder Schlaf ein. Aber daß die körperliche Nähe zur Mutter auch zu den Grundbedürfnissen zählt, wissen leider nur wenige von uns.
Um zu erfahren, warum unsere Babys es erwarten getragen zu werden, müssen wir zu den Ursprüngen der Menschheit reisen.
Die Evolution des Menschen endete in der Lebensart von Nomaden. Dies ist immer noch in unseren Genen und damit in unseren Instinkten sowie Verhaltensweisen verankert.
Die paar Tausend Jahre, in denen der Mensch sesshaft wurde, sind zu kurz um eine Evolution in unserem angeborenen Verhalten zu hinterlassen. Unser nomadisches Verhalten schlummert immer noch in uns.
Was wäre passiert, wenn eine stammesgeschichtliche Nomadenmutter ihr Kind mal kurz allein gelassen hätte? Das Kind hat ja kein Pelz, je nach Jahreszeit würde es entweder erfrieren oder einen Sonnenbrand bekommen. Das Kind kann noch nicht laufen, es würde eine leichte Beute von Raubtieren sein.
Und wenn das Kind nicht erfroren ist oder vom Löwen entdeckt wurde, dann droht es zu verhungern, denn die Muttermilch ist in spätestens 90 Minuten komplett verdaut.
Solche Mütter hätten bald keine Kinder mehr!
Und da es damals keine Kinderwagen gab (sie wurden ja auch erst im 19.Jahrhundert erfunden), blieb das kleine Nomadenbaby die meiste Zeit am Körper seiner Mutter.
Sowohl unsere Kinder als auch wir (Eltern) sind in unseren Genen darauf programmiert, im ständigen Kontakt zu einander zu bleiben. Das ist ein natürlicher Überlebensinstinkt.
Dein Baby möchte Dich ständig in seiner Nähe haben. Und das nicht, weil es Dich ärgern will, sondern weil es Angst hat. Eine tief sitzende Urangst, alleingelassen zu werden.
Halte Dein Baby deswegen so oft wie nur möglich in Deiner Nähe, kuschele mit ihm, liebkose und herze es.
Trage Dein Baby!
Du verwöhnst Dein Baby nicht, sondern erfüllst einen seiner wichtigsten Grundbedürfnisse!
Zum Zeitpunkt seiner Geburt besitzt das Gehirn eines Neugeborenen bereits fast die gleiche Neuronenanzahl wie ein Erwachsener. Was ihm noch fehlt sind die neuronalen Verbindungen.
Damit diese Verbindungen aufgebaut werden können, braucht das Baby viele Informationen, Anregungen und Sinnesreize aus seiner Umwelt. Besonders wichtig dabei ist, dass der Umfang und der Zeitpunkt bestimmter Reize genau und wohldosiert ist.
Heute wissen wir um die Bedeutung der so genannten „Lernfenster“ für die Entwicklung verschiedener Fähigkeiten. In diesen Zeiträumen ist das Kind für bestimmte Lerninhalte besonders empfänglich.
Beim Tragen wird das Baby am besten mit dem nötigen „Lehrstoff“ versorgt. Jede Bewegung der Mutter, jede neue Situation, jedes neue Gesicht liefern eine Fülle an Reizen und Informationen, die das Baby für seine Entwicklung und die Ausreifung des Gehirns benötigt.
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Denn Tragen unterstützt die Hüftgelenke des Babys und seine Wirbelsäule beim Reifen.
Das liegt daran, dass die Anatomie des Säuglings an das natürliche Tragen angepasst ist.
Der Orthopäde Büschelberger hat bereits 1961 gezeigt, dass die so genannte Anhock-Spreiz-Haltung der Beinchen für die Ausreifung der Hüftgelenke ideal ist. Genau diese Haltung nimmt das Baby automatisch an, wenn es auf der Hüfte der Mutter sitzt.
Und wenn die Beinchen des Babys in der Anhock-Spreiz-Haltung gebracht sind, dann nimmt seine Wirbelsäule automatisch eine bestimmte Haltung an: sie wird rund.
Du hast es bestimmt schon beobachtet: wenn Dein Baby auf einem ebenen Untergrund liegt (z.B. auf einer Decke), dann liegen seine Oberschenkel nie auf. Seine Beinchen sind nicht gestreckt, sondern immer gespreizt und angewinkelt.
Das Baby kann die Beine gar nicht strecken, weil seine Wirbelsäule es noch nicht zulässt.
Bei der Geburt hat seine Wirbelsäule die totale Krümmung (das sieht man wunderbar an den Ultraschalbildern im Mutterleib), erst im Laufe des ersten Jahres entwickelt sie die für uns Erwachsenen typische S-Form.
Beim Tragen bringst Du nicht nur die Hüftgelenke des Babys, sondern gleichzeitig auch seine Wirbelsäule in die physiologisch korrekte Form, bei der sie optimal reifen können.
Das Tragen am Körper ist die beste Möglichkeit, Dein Baby kennen zu lernen. Du erforschst seine Signale, seine Mimik, seine Sprache. Ist es hungrig, müde oder einfach nur gelangweilt? Der enge Körperkontakt hilft Dir jederzeit und augenblicklich auf die Botschaften Deines Kindes eingehen zu können.
Auch Dein Baby möchte Dich gern kennen lernen. Neun Monate lang wart Ihr eine Einheit. Dein Baby kennt den Schlag Deines Herzens, weiß wie Deine Stimme sich durch die Bauchdecke anhört. Aber wie sieht meine Mama aus? Wie riecht sie? Wie füllt sich ihre Haut an? Dein Baby ist gespannt darauf, Dich zu erfahren.
Beim Tragen kann das Baby Dich am Besten betrachten, denn dann fallen Deine Gesichtszüge ideal in seinen Sehbereich. Es kann Deine Mimik, Dein Lachen, Sprechen und Singen hautnah erleben.
Tragen ist der beste Weg, mit Deinem Baby zu kommunizieren.
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Um gedeihen zu können braucht das Baby viel Körperkontakt.
Wenn Du Dein Baby umarmst, streichelst und liebkost, dann gibst Du ihm nicht nur die Nähe und Geborgenheit, sondern unterstützt seine eigenen Körperfunktionen.
Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass intensive Berührungen zur höheren Ausschüttung körpereigener Substanzen führen, die den gesamten Stoffwechsel des Babys ankurbeln. Die Babys legen schneller an Gewicht zu, sind aktiver und ausgeglichener.
Und das ist noch nicht alles! Die Aufmerksamkeit und die Zuneigung, die Dein Baby beim Körperkontakt bekommt, braucht Dein Baby auch für seine emotionale Entwicklung. Das hilft ihm seine innere Mitte zu finden, den „seelischen Speck“ für die Zukunft anzusetzen.
Tragen ist praktisch, denn mit dem Baby am Körper brauchst Du Dich nicht um solche Alltagsprobleme wie Treppen, kleine Fahrstühle, enge Treppenhäuser, unwegsames Gelände mehr kümmern. Ihr braucht kein neues Auto kaufen, nur um den Kinderwagen im Kofferraum unterbringen zu können.
Auch im Urlaub zeigt sich das Tragetuch von seiner praktischen Seite. Kein lästiges Herumhantieren mit dem Kinderwagen bei der Gepäck Ab- und Ausgabe, keine Abstellprobleme im Hotel. Ein Tragetuch nimmt wenig Platz weg und ist immer griffbereit.
Ein Spaziergang am Strand? Hier stößt der Kinderwagen schnell an seine Grenzen. Im Tragetuch dagegen kannst Du Dein Kleines überall mitnehmen und es zum Beispiel gemütlich beim Meeresrauschen einschlafen lassen.
Ein Tragetuch bedeutet Unabhängigkeit, es bietet Dir die Möglichkeit Dich nur auf das Wesentliche konzentrieren zu können: Dein Kind.
Auch nach dem Tragen kann das Tuch nützlich sein, z.B. kann es als Sonnenschutz oder als Babyhängematte gute Dienste leisten.
Ein Tragetuch ist bei Pflege praktisch jahrelang ohne Qualitätseinbußen haltbar und ist damit im Anschaffungspreis dem Kinderwagen überlegen.
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